Streuobstwiesen schützen


Hier sind zupackende Helfer gefragt: Mitarbeiter der CAH befeuern die Presse mit frischen Äpfeln. In der Mosterei Berching entsteht der Saft, der als Grundlage für die Juratäler Apfelsaftschorle dient.

NEUMARKT. Jeder Atemzug ist, als würde man trinken: Die Herbstluft schmeckt verführerisch süß und gleichzeitig erfrischend nach Frucht. Seit dem frühen Morgen läuft die Presse in der Mosterei Berching - und macht aus eben noch von Tau bedeckten Äpfeln schimmernden Saft.

Der wiederum füllt bis zum Ende des Tages einen großen Tank der Lammsbräu. Die Neumarkter Brauerei verarbeitet die Ernte zur Juratäler Apfelsaftschorle, die es nur deshalb gibt, weil Landkreis, Landschaftspflegeverband, CAH, Obst- und Gartenbauverein Berching und Brauerei-Chef Dr. Franz Ehrnsperger damit ein übergeordnetes Ziel verfolgen: die Streuobstwiesen im Landkreis Neumarkt zu bewahren.

Granny Smith, Boskoop, Jonagold und Elstar - das sind die Standard-Sorten, aus denen die Deutschen in den Obstregalen der Supermärkte wählen können. Der Gravensteiner ist den wenigsten ein Begriff und den Geheimrat Dr. Oldenburg hielte bei einer Umfrage wohl kaum einer für einen Apfel. Dabei handelt es sich gemäß der Kreissortenliste um "empfehlenswerte Sorten für die freie Landschaft" - also um Obst, das zur Neumarkter Kulturlandschaft passt.

Insgesamt gibt es rund 2000 kultivierte Apfelsorten in Deutschland. Doch seit den 1970er Jahren wurde europaweit der Anbau auf großen Fläche begünstigt, die leichter abzuernten sind. Die Früchte wurden standardisiert, etliche alte Sorten gingen dabei verloren. Dass Streuobstwiesen heute wieder vermehrt als Genpool verwendet werden, liegt nicht zuletzt daran, dass die jungen Züchtungen nicht selten Allergien hervorrufen, während die alten Sorten oft besser vertragen werden.

Doch nicht nur die Verbraucher profitieren von der Rückbesinnung auf das Wissen der Pomologen, der Obstsortenkundler. Streuobstwiesen sind kleine Garten Eden, Paradiese für bedrohte Arten wie Hornissen, Steinkauz, und Gartenrotschwanz sowie den verbreiteten Siebenschläfer. Ein einziger Apfelbaum beherbergt bis zu 1000 Arten. Mit der Juratäler Apfelsaftschorle wollen die Kooperationspartner diesen faszinierenden Lebensraum erhalten.

Das funktioniert so: Um einen Anreiz für die Pflege von Streuobstwiesen zu schaffen, werden für jeden Doppelzentner Äpfel, der zur Mosterei gebracht wird, bis zu zehn Euro gezahlt (Bei konventionell bewirtschaftetem Obst liegt der Ertrag häufig nur bei fünf bis sechs Euro). Für Ernte und Anlieferung kann zusätzlich die Hilfe der Mitarbeiter der Christlichen Arbeiterhilfe (CAH) in Anspruch genommen werden.

Der Obst- und Gartenbauverein Berching mit Vorsitzendem Helmuth Fiegl stellt die Mosterei zur Verfügung, in der der Saft gepresst wird. Die Neumarkter Lammsbräu macht daraus die Juratäler Apfelsaftschorle, die zum Selbstkostenpreis abgefüllt wird. Bei der regionalen Vermarktung schließlich rühren auch CAH und Landkreis die Werbetrommel. Kurz: Es ist für alle Beteiligten ein Non-Profit-Projekt.

Und obendrein kommen die Helfer, die die Äpfel an besagtem Herbstmorgen säckeweise in die Presse schütten, ordentlich ins Schwitzen. Doch die harte Arbeit lohnt sich. Denn mit jeder Flasche Apfelsaftschorle, die am Ende verkauft wird, profitiert die Natur.

Nach dem 20. September und dem 4. Oktober findet ein letzter Mosttermin am 18. Oktober bei der Mosterei in Berching statt.

Die Juratäler Apfelsaftschorle ist circa ab Ende Oktober im Handel erhältlich. Der Landschaftspflegeverband Neumarkt legt großen Wert auf die Qualität der verarbeiteten Äpfel. Langfristig ist es das Ziel, das Bio-Siegel für die Schorle zu erhalten.
nl
04.10.07
Neumarkt: Streuobstwiesen schützen
Telefon Redaktion


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