Live gratuliert


Die Alfelder Musikanten (hinten) und die Gebrüder Ottenschläger (vorne)


Die Geschwister Graf: Bianca, Reinhard und Nicole, mit
Moderator Hansi Würth (vorne links)


Der Edelweiß Dreigesang
NEUMARKT. Ein keineswegs alltägliches Geburtstagsgeschenk überreichte das Volksmusik-Team des BR1-Studios Franken den Geschwistern Graf zu deren 25jährigem Bühnenjubiläum. Es übertrug live die Feier im Burgthanner Gasthof "Burgschänke", bei der neben den Gastgebern auch die Alfelder Musikanten, die Gebrüder Ottenschläger und weitere Berufskollegen zu hören waren. Durch die Sendung führt Moderator Hansi Würth.

Schon der Hinweis "Geschlossene Gesellschaft" am Eingang und der riesige weißblaue Übertragungswagen des Bayerischen Rundfunks auf dem mit Autos überfüllten Parkplatz deuteten auf einen gewichtigen Anlass hin. Die urgemütliche Wirtsstube selbst war gleichermaßen proppenvoll. Ein herrlicher Herbsttag sollte mit einer außergewöhnlichen Geburtstagsfeier ausklingen. So ganz nach dem Motto der Familie Graf, in der nun schon seit 25 Jahren musiziert und gesungen wird: "Wer allweil lustig is…"

Drinnen stimmte derweil Hansi Würth, die "Stimme Frankens" beim Bayerischen Rundfunk und Leiter der Hörfunkredaktion im Studio Nürnberg, die Geburtstagsgäste mit einem "warm up" und obligatem Probenapplaus auf das bevorstehende Ereignis ein. Vor den Übertragungsmikrofonen umrahmten die Alfelder Musikanten (Bairische, Landler, Schottisch) und die Gebrüder Ottenschläger (fränkischer Mundart-Gesang) die Jubilare. Der Originalton des aktuellen Programms nebst Jingle mahnte zur Stille. Das Rotlicht ging an und signalisierte: "On air".

Pünktlich um fünf nach sieben begrüßte Moderator Würth die Zuhörer "im Saal" und an den Rundfunkgeräten. Man habe aus gegebenem Anlass das Beste, was die fränkische Volksmusik zu bieten habe, mobilisiert, begann der Sprecher. 25 Jahre Geschwister Graf sei "eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch" ließ er verlauten. Und dann erfuhren die Zuschauer und Hörer von Reinhard, Bianca und Nicole wie alles begann.

Die Liebe zur Musik hätten ihnen die Großeltern geschenkt, quasi in die Wiege gelegt. Die Oma, die selbst lange im Kirchchor sang, habe Reinhard gedrängt, ein Instrument zu erlernen. Jeden Samstag habe man sich in der Familie zum Musizieren zusammengesetzt. Dann, 1982 sei erstmals das Duo Reinhard und Bianca aufgetreten, berichtet der große Bruder. Bianca hingegen weiß, dass sie Dirndl und Reinhard Lederhosen getragen habe, so wie es sich zur Mundart gehört.

Außerdem erzählt Bianca, dass sie nur ein Lied zu hören brauchte, schon sang sie es nach und ihr Bruder sollte sie begleiten. Dank der Kulturpflege im Trachtenverein "Edelweiß" und der Ausbildung bei Lothar Mielke, beide Oberferrieden, seien auch die Verbindungen zum Rundfunk, namentlich zu dem anwesenden Emil Händel, dem Volksmusikforscher und jahrzehntelangen Volksmusikredakteur beim Bayerischen Rundfunk in Nürnberg, bald gediehen. Dieser habe sie beide unter seine Fittiche genommen und ihnen geholfen, sich gefällig darzustellen.

Schon 1984 habe er sie zu ersten Rundfunkaufnahmen eingeladen. Da ließ auch das Fernsehen nicht lange auf sich warten. Zwei Mal seien sie Sieger beim Jugendwettbewerb "Arzberger Bergkristall", dem "Oscar der Volksmusik", gewesen. 1991 schon als Trio. Denn Nicole sei zu dieser Zeit gerade mal vier Jahre alt gewesen. Sie durfte noch auf einer Kiste stehen, um überhaupt gesehen zu werden und um das Mikrophon zu erreichen.

Ein Jahr später der erste Höhepunkt: Ein Live-Auftritt im Fernsehen bei "A weni kurz, a weni lang" aus dem Münchner Hofbräuhaus. Man feierte Zehnjähriges mit einem Sänger- und Musikantentreffen, erinnerte sich Reinhard. Als "Olymp der Volksmusik" charakterisierte Würth den Arzberger Bergkristall, aus dem die Geschwister 1995 als Gesamtsieger hervorgingen. Die zweite CD unter dem Titel "So klingts im Nürnberger Land" ging in Produktion. Ihre Heimatgemeinde Burgthann habe sie wegen ihrer Verdienste geehrt.

Vater Konrad Graf schilderte dazwischen bewegt die bisweilen erheiternden Situationen zuhause vor einem Auftritt seiner Kinder. Abermals wurde mit einem Sänger- und Musikantentreffen gefeiert, als man 1997 und 2002 auf 15 respektive 20 Jahre zurückblickte. Der CD-Produktion "Wer allweil lustig is..." gingen Studioaufnahmen beim Bayerischen Rundfunk voraus. Man habe, so berichtet Reinhard weiter, an zahlreichen Sänger- und Musikantentreffen teilgenommen. Auch live habe man die Geschwister im Radio hören können. Das Optimum sei nun dies Live-Übertragung, fügte er abschließend an.

Das Repertoire der Geschwister Graf sei eine gelungene Mischung aus überlieferten und selbst verfassten Liedern, verriet Würth in der Live-Sendung. Dazu gehörten traditionell überlieferte Volksmusik genauso wie "Selbstg'strickte", also eigens gemachte Lieder. Spezialität jedoch seien die gesungenen Zwiefachen (Bairische), jene zwischen Zweiviertel- und Dreivierteltakt wechselnde Melodie, der in ihrer Heimat, der Grenzregion Mittelfranken/Oberpfalz zuhause ist.

Im Lauf der Jahre entwickelt das Gesangstrio jedoch seinen ganz eigenen Interpretationsstil, der für manche Ohren etwas kantig klingen mag, dennoch aber ein erfolgreiches Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Zu einem musikalischen Geburtstag lädt man sich bekanntlich auch Freunde ein. Nachdem die Spezialität der Grafs ebenso wie die der Alfelder Musikanten "Bairische" sind, passe man doch gut zusammen, meinte Bernd Kolb, Chef der Kapelle. "Die Grafs machen einen astreinen Gesang", fügte er dem noch hinzu und die Gebrüder Ottenschläger, sie stellen den fränkischen Mundart-Gesang in den Mittelpunkt ihrer Darbietung, die zu den Freunden der Geschwister Graf zählen, betrachteten es als Ehre, eingeladen zu werden.

Georg Hirsch, Burgthanns Erster Bürgermeister und Schirmherr des Abends, als Freund traditioneller Volkmusik bekannt, zeigte sich glücklich über die Existenz der Geschwister Graf. "Sie sind die besten Botschafter von Burgthann", einem Schwerpunkt der Volksmusik. Hirsch verwies mit Stolz dabei auf die zahlreichen Musikschaffenden in seiner Gemeinde, sowohl als Solisten, als Gruppen, Chöre oder Orchester.

Würth erwähnte dazu noch die häufigen Musikantentreffen in den Wirtshäusern oder auf dem Treidelschiff "Elfriede" auf dem "Ludwig Donau-Main-Kanal", die auf eine gewisse Tradition in diesem Genre schließen lassen. Den musikalischen Schlusspunkt setzten wiederum die Alfelder Musikanten. Mit Beifall regelrecht überschüttet wurden die Ausführenden am Ende der Live-Sendung.

Dieser folgte noch der gemütliche Teil des Abends in der Art eines Sänger- und Musikantenstammtisches. Zu den Überbringern musikalischer Glückwünsche zählten dabei langjährige Freunde und Wegbegleiter der Grafs. So die Alfelder und Veldensteiner Musikanten, der Edelweiß Dreigesang, begleitet von Walter Rühl sowie "Tubist" Reinhard Eckersberger.

Für ihre in Worte gefassten Gratulationen bedankten sich die so Gefeierten bei den Burgthannern Bürgermeistern Georg Hirsch und Heinz Meyer, bei Bürgermeister Bernd Luber (Marktgemeinde Postbauer-Heng) und bei der ehemaligen Kreisheimatpflegerin des Landkreises Amberg-Sulzbach und jetzigen Leiterin der Abteilung Volksmusik beim BR, Evi Strehl. Weitere Gratulanten waren Werner Aumüller vom Studio Franken des BR (Volksmusik), Helmut Polster, stellvertretender Vorsitzender der ARGE für Fränkische Volksmusik im Bezirk Mittelfranken, Walter Rühl sowie Markus Meier vom Trachtenverein "Edelweiß".
Werner Martin
07.10.07
Neumarkt: Live gratuliert
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