"Keiner hat geholfen"

NEUMARKT. Die Neumarkter Polizei führt ihre Präventionsreihe mit dem "Poli-Bär" mit dem Thema "Zeugen- und Helferverhalten" fort.

Häufig passieren Straftaten oder Ereignisse, bei denen die Polizei in ganz besonderer Weise auf die Aussage von Zeugen angewiesen ist. Die gute Beobachtungsgabe und eine notwendige Täterbeschreibung sind für die weiteren Ermittlungen und die Festnahme des Täters oftmals zwingend notwendig, erklärte der Neumarkter Polizei-Chef, Polizeirat Helmut Lukas. Man sollte sich grundsätzlich nicht auf andere Personen verlassen und den Gedanken haben, die anderen werden schon helfen oder die Polizei unterstützen. Jede Kleinigkeit könne hierbei von besonderer Bedeutung sein.

Das Zeugen- und Helferverhalten sei auch in der heutigen Gesellschaft noch gefragt und erforderlich und habe etwas mit Zivilcourage zu tun. Die Polizei verzeichnet einen Rückgang von Hinweisen und Auskünften aus der Bevölkerung.

So kam es beispielsweise vor einiger Zeit an einem Nachmittag gegen 16 Uhr zu einem Handtaschenraub in Neumarkt, in der belebten Bahnhofstraße. Am hellichten Tag wurde eine 77jährige Radfahrerin von einem jungen Mann bei der gewaltsamen Wegnahme ihrer Tasche vom Fahrrad gerissen. Der Räuber flüchtete und die beraubte Frau schrie lauthals um Hilfe.

Sie versuchte auch vorbeifahrende Autofahrer auf den Vorfall aufmerksam zu machen. Weder Passanten noch Autofahrer kamen ihr zur Hilfe, so dass sich die Frau auf ihr Rad setzte und selbst die Verfolgung des Täters aufnahm. Dadurch gelang ihr eine gute Beschreibung des Täters und dieser konnte schließlich im Zuge einer Fahndung festgenommen werden.

Diese Frau saß weinend, aber auch enttäuscht von ihren Mitbürgern bei der Polizei und schilderte sinngemäß den Vorfall: "Nicht einer hat gehalten oder hat auf meine Hilfeschreie reagiert."

Solches Verhalten gibt zu denken und zeigt auch die Notwendigkeiten des Zeugen- und Helferverhaltens, erklärte Lukas. Es gäbe aber auch positive Ereignisse, bei denen Hinweise aus der Bevölkerung zur Festnahme von Tätern führten.

Nach über 100 Pkw-Aufbrüchen konnte letztendlich durch den Hinweis einer Zeitungsausträgerin und der Beobachtungsgabe einer weiteren Person ein Mitglied einer Einbrecherbande gefasst werden.

Die Kriminalitätsbekämpfung sei eine gesellschaftliche Herausforderung und nicht allein durch die staatlichen Stellen zu bewältigen. Die Mitwirkung von Zeugen und das Helferverhalten sollten als staatsbürgerliche Pflichten bewertet werden.

Im Fernsehfachgeschäft Dieter Callsen, Hochplan 7, in Neumarkt wird der "Poli-Bär" mit Schautafeln ab Donnerstag ausgestellt.
17.10.07
Neumarkt: "Keiner hat geholfen"
Telefon Redaktion


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