"Im Spiegel anschauen..."


Parteichef Seehofer und Europaabgeordneter Albert Deß.
Foto:Archiv
NEUMARKT. Der Röckersbühler Europaabgeordnete Albert Deß hat beste Chancen, erneut ins Europaparlament einzuziehen. Am Samstag-Mittag holte er sich gegen den Willen der CSU-Parteispitze in einer Kampfabstimmung den relativ sicheren Listenplatz 5. (wir berichteten mit einer Eil-Meldung)

In einem Telefonat mit neumarktonline unmittelbar nach der Kampfabstimmung zeigte sich Deß glücklich über das klare Ergebnis, äußerte sich aber auch nachdenklich: "Ich habe ganz schwer gerungen, ob ich antreten sollte oder nicht", erklärte Deß. Es habe eine Vielzahl von Versuchen gegeben, ihn von einer Kampfabstimmung abzuhalten, gab er zu: "da war schon Druck da!".

Zur Kampfabstimmung habe er sich exakt am Samstag um 9 Uhr entschlossen, sagte Deß zu unserer Zeitung. Der Grund: "Wen ich es nicht gemacht hätte, könnte ich mich im Spiegel nicht mehr anschauen".

Deß kämpfte bei der Delegiertenversammlung im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in München um den fünften Listenplatz, den er bei der letzten Wahl inne hatte, und der nach der Meinung der CSU-Spitze an MdEP Ingo Friedrich gehen sollte.

Hohlmeier auf Platz 6

NEUMARKT. Strauß-Tochter Monika Hohlmeier wird auf dem sechsten Platz zur Europawahl antreten.

Gegen sie war am Samstag-Mittag die Europaabgeordnete Gabriele Stauner in einer Kampfabstimmung angetreten, mußte aber eine 165:115-Niederlage hinnehmen.

Mit diesem Ergebnis konnte Parteichef Horst Seehofer halbwegs das Gesicht wahren, nachdem kurz zuvor Albert Deß mit einer erfolgreichen Kampfabstimmung die hinter verschlossenen Türen ausgekungelten "Personal-Planungen" der Parteispitze durcheinander gebracht hatte.
Auf Platz 6 sollte Strauß-Tochter Monika Hohlmeier antreten, die Parteichef Seehofer ursprünglich sogar als Spitzenkandidatin vorgesehen hatte. Als (der am Samstag klar als Spitzenkandidat gewählte) Markus Ferber eine Kampfabstimmung androht, zog Seehofer zurück - und wollte damit bei der Delegiertenversammlung am Samstag offenbar gar nichts mehr zu tun haben: "Markus Ferber war immer und ist mein Spitzenkandidat", sagte er vor den Delegierten.

Das Ziel der CSU-Spitze, Kampfabstimmungen wenn irgend möglich zu vermeiden, verhinderte in der Delegiertenversammlung schließlich Albert Deß, der um "seinen" fünften Platz kämpfen wollte. Vorgeschlagen wurde er dabei von Ex-Landwirtschaftsminister Josef Miller.

Die Kampfabstimmung wurde für Deß zum Triumph - und wird von Beobachtern als schlimme Niederlage auch für Parteichef Seehofer gewertet. Deß vereinte 184 Stimmen auf sich, Ingo Friedrich kam auf lediglich 102 Stimmen und kündigte frustriert an, auf jede weitere Kandidatur zu verzichten.

Deß selbst glaubt nicht, daß durch seine Kandidatur der Parteichef beschädigt worden sein könnte: "Die CSU ist eine weltoffene, demokratische und kämpferische Partei", zitierte er im Gespräch mit neumarktonline Horst Seehofer. Es sei deshalb das Normalste der Welt, wenn ein Kandidat um seinen Platz kämpft.

Der Druck im Vorfeld der Delegiertenversammlung sei groß gewesen, gibt Albert Deß zu. Dauernd habe das Telefon geklingelt, er solle sich doch mit einer Kampfabstimmung "nicht kaputt machen". "Aber wer meine Mentalität kennt, weiß, daß mich so etwas eher bestärkt", sagte Deß.

Als dann während der Delegiertenversammlung auch aus Kreisen der schwäbischen und oberbayerischen Delegierten Signale kamen, "ja nicht zurückzuziehen" mit der Kampfkandidatur, war für Deß klar, daß er doch gute Chancen hat.
17.01.09
Neumarkt: "Im Spiegel anschauen..."
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