Blühende Ackerwildkräuter


Auf der Suche nach Ackerwildkräutern beim Pressetermin in Schönheim

NEUMARKT. Das Biodiversitätsprojekt "Juradistl" will die vierlerorts stark zurückgegangenen Ackerwildkräuter wieder zum Blühen bringen.

Fragt man nach den bekanntesten und beliebtesten Wiesenblumen, stehen die Kornblume und der Klatschmohn ganz oben auf der Liste. Dabei sind beide Arten keine Wiesenblumen, sondern Ackerwildkräuter. Ihr besonderes Kennzeichen ist, dass sie einjährige Pflanzen sind. Das heißt, die ganze Pflanze stirbt über den Winter ab und ausschließlich der Samen überlebt und keimt im nächsten Jahr. Die Pflanze ersteht jedes Jahr aufs Neue.

Um aber zu keimen, braucht die Pflanze - vereinfacht gesagt - offenen Rohboden ohne die direkte und zu starke Konkurrenz anderer Pflanzen. In einer geschlossenen Grasnarbe, wie man sie auf der Wiese findet, kann sich der Samen nicht durchsetzen. Dort, wo der Pflug auf dem Acker den Boden gewendet hat, wird quasi eine "Stunde Null" geschaffen. Sowohl das ausgesäte Getreide wie auch die Kornblume, der Klatschmohn, der Frauenspiegel oder der Ackerrittersporn gehen gemeinsam an den Start.

Ackerwildkräuter brauchen genau die Verhältnisse, die der Ackerbau schafft. Aber auch Brachen mit ähnlichen Standortvoraussetzungen unterstützen die Verbreitung der Ackerwildkräuter. Besonders spezialisiert sind sie jedoch auf den Ackerbau, weil sich dieses "Hand in Hand"- Wirtschaften von Mensch und Natur über Jahrtausende entwickelt hat.

Die starke Intensivierung im Ackerbau hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Ackerwildkräuter den Konkurrenzkampf mit der angebauten Leistungsfrucht immer öfter verloren haben. Soll ein Höchstertrag erzielt werden, muß das Feld möglichst umfassend von "Unkraut" - oder "Beikraut" freigehalten werden. Empfindliche Vertreter der Ackerwildkräuter, wie der Frauenspiegel, der Ackerrittersporn oder die echte Kamille stehen da auf verlorenem Posten. Es soll deshalb ein besonders Anliegen im Rahmen der Bayerischen Biodiversitätsstrategie sein, den Artenreichtum der Ackerwildkräuter möglichst zu erhalten und deren Vorkommen und Ausbreitung zu fördern. "Juradistl" will dazu viel unternommen haben.

"Im Rahmen persönlicher Gespräche mit vielen Landwirten im Projektgebiet konnten zahlreiche Flächenprogramme abgeschlossen werden, die dem Landwirt einen finanziellen Ausgleich gewähren, wenn er Formen des Ackerbaus betreibt, die das Vorkommen der Ackerwildkräuter wieder ermöglichen", berichtete Werner Thumann, der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Neumarkt und Projektträger von "Juradistl" anlässlich eines Pressetermins bei Schönheim (Markt Hohenfels).

In Frage kommen die Varianten "Extensiver Ackerbau" und "Ackerbrache" im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP). Dort ist vorgesehen, die Bestandsdichte über den Reihenabstand und die Anzahl der ausgesäten Körner so zu verringern, dass lichtere Bestände entstehen, die auch den Ackerwildkräutern das Keimen ermöglichen. Über den Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz kann die Förderung der Ackerwildkräuter in unterschiedlichen Varianten noch erhöht werden. Allein in den Jahren 2010 und 2011 konnten mit zehn Landwirten auf einer Fläche von knapp 35 Hektar VNP-Verträge auf Ackerflächen abgeschlossen werden.

Über den Schutz von Ackerwildkräutern hinaus wurden im gesamten Juradistl-Projektgebiet in den Umsetzungsjahren 2010 und 2011 durch gezielte Beratung von Landwirten und Grundstückseigentümern über die Förderprogramme VNP und KULAP (Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm) insgesamt Agrar-Umwelt-Maßnahmen auf etwa 450 Hektar landwirtschaftlicher Fläche - davon knapp 200 Hektar im Landkreis Neumarkt– vorbereitet.

Dazu kommen noch Landschaftspflegemaßnahmen, die unter der Federführung des Landschaftspflegverbandes Neumarkt in den Jahren 2010 und 2011 im Umfang von etwa 330.000 Euro durchgeführt wurden. Seit 2010 fließen damit im Rahmen der Durchführung von Landschaftspflegemaßnahmen und Agrar-Umwelt-Programmen insgesamt Fördergelder in Höhe von über 1,5 Millionen Euro in die Juradistl-Region – davon etwa 420.000 Euro in den Landkreis Neumarkt.

Die Ackerbrache und der angrenzende extensive Getreideacker bei Schönheim gehören zu den bisher insgesamt 27 untersuchten Ackerflächen im Juradistl-Projektgebiet des Landkreises Neumarkt. Die Untersuchungen geben wichtige Hinweise für den gezielten und damit auch effektiven Einsatz der Förderprogramme im Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm, hieß es.

Im Verlauf der Untersuchungen hat sich auch herausgestellt, dass einige Äcker mit wertvollen Ackerwildkrautbeständen Braugerste-Vertragsäcker für die Neumarkter Lammsbräu sind. Die Brauerei unterstützt auch die Aufstellung von sogenannten Kulturlandplänen der Biolandberatung. Das "Juradistl"-Projektwill durch konkrete Umsetzungsberatungen bei den Landwirten zur Teilnahme an Acker-Extensvierungsprogrammen einen Beitrag zur Umsetzung dieser Kulturlandpläne leistet.
07.08.11
Neumarkt: Blühende Ackerwildkräuter
Telefon Redaktion


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