Gedanken zum Advent

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Bei aller Freude darüber, dass es unserem Land recht gut geht, die Wirtschaft boomt und die Steuern sprudeln, gab es in diesem Jahr auch erschütternde und erschreckende Nachrichten. Brutale Gewalt und Terroranschläge haben auch bei uns Menschen in Angst versetzt. Die Kriegs- und Krisengebiete liegen zwar weit entfernt, aber sie rücken uns näher vor allem durch Flüchtlinge und Asylsuchende.

Auch die Erdbeben in Italien, wo kein Stein auf dem andern blieb und Tausende obdachlos wurden, sind vielen ans Herz gegangen. Muss da nicht in uns aufgrund solcher Nachrichten eine Sehnsucht hochkommen nach Frieden, Trost, Heilung und Rettung? Wird da nicht der alte Adventsruf der Kirche wieder aktuell: „Tauet Himmel den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab, die Erde tue sich auf und sprosse den Heiland hervor?“

Oder auch die Frage, die schon zu Zeiten des Propheten Jesaja laut wurde: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“ Diese Frage drückt aus, was nicht wenige Menschen heute zutiefst empfinden und was sie sich vielleicht schon für den kommenden Advent ersehnen. Diese Frage nach dem Kommen oder Ausbleiben des Trostes, so schreibt Paul Weismantel in seinen adventlichen Betrachtungen, stellt sich auch im Blick auf eine erschöpfte, kranke und widersprüchliche Gesellschaft.

Es ist die Frage: Wo findet der moderne Mensch Trost und woher kommt Hilfe und Rettung? Gewiss bringen Trost und Hilfe Rettungskräfte, die im Auftrag des Technischen Hilfswerks, der Caritas, der Diakonie und anderer Hilfswerke vor Ort in den Erdbeben- und Krisengebieten durchaus lebensgefährliche Dienste leisten.


Aber Menschen haben nicht nur leibliche, sondern auch seelische Nöte. Deshalb brauchen viele vor allem geistlichen Trost. Sie brauchen Mitmenschen und Seelsorger, die sie ermutigen, nicht aufzugeben und die ihnen vor allem mit den Kräften des Glaubens Rettung, Hoffnung und Zuversicht bringen. Deshalb mahnt uns die adventliche Zeit: Seid wachsam und haltet euch bereit. Gott steht zu euch mit seiner Hilfe, seinem Trost, seiner Barmherzigkeit und Zärtlichkeit.

Aber können wir solchen Trost wirklich von Gott erwarten? Nicht wenige meinen heute: Am besten, ich erwarte nichts, dann werde ich auch nicht enttäuscht. Und ich will auch mit meinen Erwartungen niemanden überfordern, nicht einmal Gott. Aber weckt Gott nicht selbst in uns unglaubliche Erwartungen und Verheißungen gemäß den großen Propheten Israels? Sie sprechen davon, dass Gott den Heilskönig der Zukunft, den lang errsehnten Messias, der endgültig den Frieden bringt, den Retter der Welt uns schenken will, der da ist, der da war und der kommen wird.

Aufgrund dieser Verheißungen wagt es die Liturgie der Kirche vom „Advent der drei Zeiten“ zu sprechen: Es ist die Zeit des Messias, der in Jesus von Nazareth bereits unter uns erschienen ist, dann die Zeit des kommenden Messias, der die Lebenden und Toten richten wird und schließlich die Zeit des Messias Jesus, der sich hier und heute offenbart im Wort Gottes und in der Feier der der Eucharistie.

Deshalb lädt der Advent jeden ein, wach zu sein für das Anklopfen und Ankommen Gottes gerade hier und heute in unserer oft so friedlosen, erschöpften, zerrissenen, kranken und widersprüchlichen Welt und Gesellschaft. Aber gerade eine solche Botschaft ist ein starkes Hoffnungssignal und ein echter Trost für jeden bei uns genauso wie für die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten der Erde
26.11.16
Neumarkt: Gedanken zum Advent
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