"Gedanken zur Weihnacht"

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Sie hatten Nachtschicht, hnlich wie heute nicht wenige Frauen und Mnner. Ich spreche von den Hirten damals auf den Fluren von Bethlehem. Zur Nacht wach zu bleiben oder arbeiten zu mssen ist mehr als anstrengend fr Arbeitnehmer heute genauso wie fr die Hirten damals. Die waren ganz beschftigt mit ihren Herden und hatten gewiss keine Zeit, sich Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Im Gegenteil, sie werden eher selbst beschenkt.

Das Geschenk aber ist eine totale berraschung. Auf ein Licht von oben und auf eine Heerschar von Engeln in der Dunkelheit ihrer Nacht waren sie absolut nicht vorbereitet. Und dennoch: Sie sind neugierig geworden, sie lassen ihre Herden im Pferch zurck und gehen nach Bethlehem. Da ist etwas vllig Neues und Unerwartetes passiert. Das Neue bricht zwar mit Wucht herein, drngt sich aber nicht auf mit Gewalt. Das Neue kommt den Hirten eher klein, schwach, zerbrechlich, gefhrdet und rmlich vor.

Kann es sein, dass Gott wirklich in dieser fast unvorstellbaren Art und Weise zur Welt kommt? Kann es sein, dass er auch heute noch so hnlich in unsere Welt kommen mchte? Nicht selten in eine Welt voller Irrsinn und Brutalitt und das ausgerechnet auch noch auf einem Weihnachtsmarkt? Mehr Irrsinn kann es wohl gar nicht mehr geben.

Unsere derzeitige Welt hat anscheinend starke Risse, Furchen und Lcken bekommen. Vom ersehnten Frieden auf Erden, einst den berraschten Hirten vom Himmel her verkndet, ist wenig zu sehen. Und dennoch: Der Same des Friedens, der Keim der Hoffnung und die Morgengabe der Erlsung ist schon hineingest in die aufgebrochenen Furchen und Risse unserer Welt. Keine Macht dieser Welt und mag sie sich auch noch so martialisch gebrden kann diesen Keim der Hoffnung und diesen Samen des Friedens mehr zerstren.


Unser christlicher Glaube sagt: Das Geste und Gepflanzte wird sich durchsetzen als Hoffnung wider aller Hoffnung. Genau das aber ist Weihnachten. Da hat einmal etwas vllig Neues und Unerwartetes begonnen. Da wurde in die blutbefleckte und trnenreiche Geschichte der Menschheit Heilsgeschichte hineingesenkt. Auch in unserem eigenen Herzen liegt seit Weihnachten, Karfreitag und Ostern ein starkes Stck dieser neuen Welt. Es ist die andere Welt, es ist die Welt Gottes und der Keim des Himmelreiches. Kann da derzeit berhaupt noch jemand daran zweifeln, dass diese andere Welt, die mit der Gottesgeburt dieses Kindes von Bethlehem begann, notwendig war?

Es wurde hchste Zeit und dringend notwendig, dass Gott selbst zur Welt kommen musste. Er hatte zwar uns Menschen seine von ihm geschaffene Welt zu treuen Hnden bergeben. Aber was hat der Mensch daraus gemacht? Gewiss Schlimmes, aber auch viel Schnes, Kostbares und Wertvolles. Immer wieder ein unglaublicher Einsatz fr Frieden und Vershnung, Lichter der Hoffnung fr die Armen in der sogenannten Dritten Welt und bei uns fr die Kleinen und Schwachen.

Eine Wende im Umgang mit den kostbaren Gaben der Schpfung wurde eingelutet, angefangen vom Respekt vor der Natur bis hin zum Schreiben von Papst Franziskus Laudato si. Gar nicht zu schweigen vom Engagement fr Kinder, Behinderte, Kranke oder Flchtlinge. Da hat der weihnachtliche Hoffnungskeim Frucht und da haben die Dornen Rosen getragen. Deshalb gibt es nur die eine Botschaft: Uns selbst wie die Hirten auf den Weg zum Kind zu machen, denn in die Nachtschicht unserer Welt ist die heilige Nacht, die Weihnacht eingebrochen.
23.12.16
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