Mehr Körperverletzungen !


Der Landkreis Neumarkt als "Insel der Seligen": Die sogenannte
"Häufigkeits-Zahl" zeigt die Straftaten pro tausend Einwohner an
und liegt bei sehr günstigen 37. Die noch niedrigeren Zahlen für
die Landkreis Regensburg, Amberg und Weiden sollten nicht
täuschen: Hier müßten fairerweise die extrem hohen Werte der
kreisfreien Städte mit eingerechnet werden.
NEUMARKT. Zehn Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Neumarkter Kriminalitätsstatistik wurde am Dienstag schon der Trend klar: Die Zahl der Straftaten im Bereich des auch für Neumarkt zuständigen Präsidiums ging stark zurück - doch die Zahl bei Raub-Delikten und schweren Körperverletzungen stieg an.

Stärkster Rückgang der Deliktszahlen - niedrigste Kriminalitätsbelastung - weiter überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquote: diese Parameter kennzeichnen die positive Kriminalitätsentwicklung im Präsidialbereich Niederbayern/Oberpfalz, zu dem auch der Landkreis gehört. Am Dienstag wurde die Kriminalstatistik für diesen Bereich vorgestellt. Die Präsentation der Neumarkter Kriminalstatistik ist für Donnerstag nächster Woche geplant.

Bei soviel Licht ist natürlich auch "etwas Schatten", hieß es beim Präsidium: hier vor allem der Anstieg der Gewaltkriminalität, insbesondere der Raubdelikte und der schweren und gefährlichen Körperverletzungen. Gewaltprävention schon in möglichst jungen Jahren tue also Not, zumal immer noch über 40 Prozent dieser Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre sind, hieß es bei dem Presse-Gespräch.

Die Zahl der im Jahr 2005 im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz erfassten Straftaten ist deutlich zurückgegangen. Insgesamt wurden 108.004 Straftaten (ohne Verkehrsdelikte) registriert, was einer Abnahme von 7,2 Prozent bzw. 8.372 Fällen entspricht (Bayern: -4,5 Prozent). Dies stellt den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1997 dar.


Ein Polizeihundeführer mit vierbeinigem Begleiter bei der Kon-
trolle eine verdächtigen Autos.
Während in der Oberpfalz ein Rückgang um 9,3 Prozent auf 52.211 Straftaten zu verzeichnen war, nahm die Kriminalität in Niederbayern um 5,9 Prozent auf 53.997 Fälle ab. Wie in den Vorjahren sind in den Zahlen auch die von den Grenzpolizeiinspektionen an der Grenze zu Tschechien bearbeiteten Fälle enthalten.

Die Kriminalitätsbelastung im Präsidialbereich ist im Jahr 2005 auf 4.649 Straftaten pro 100.000 Einwohner gesunken und liegt damit unter der für Bayern errechneten Häufigkeitszahl von 5.483 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Die Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz sind mit Häufigkeitszahlen von 4514 bzw. 4789 die - positiven - Schlusslichter in Bayern.

Spektakuläre Fälle

Für bundesweites Medieninteresse sorgten im Jahr 2005 insbesondere drei Straftaten:

Amoklauf in Gaststätte in Wernberg-Köblitz
Der wohl spektakulärste und zugleich tragischste Fall ereignete sich am Sonntag, 30.Oktober 2005, gegen 21.45 Uhr, in einer Gaststätte in Wernberg-Köblitz, Ortsteil Saltendorf, als ein 49- jähriger, aus nach wie vor nicht geklärten Gründen, in der Gaststätte "Schlosser" Amok lief. Der 49jährige verletzte durch Schussabgaben im Gaststättenbereich, sowie von außerhalb in die Gaststätte eine Person tödlich, sechs Personen schwer und zwei Personen leicht.
Die Flucht des Täter endete nach fast 20 Stunden, als der Gesuchte dem enormen Fahndungsdruck nachgab und selbst mit der Polizei in Verbindung trat. Am 31.10.05, gegen 17.35 Uhr konnte er von einem Spezialeinsatzkommando nördlich von Kettnitzmühle, nahe Wernberg-Köblitz, ohne Widerstand festgenommen werden. (neumarktonline berichtete)

Sprengstoffexplosion in Barbing
Eine Detonation in Barbing am Freitag, 12.August 2005, gegen 2 Uhr, bei der der Bombenbauer selbst getötet wurde, versetzte die Anwohner nicht nur in Angst und Schrecken, sondern machte auch eine Räumung der umliegenden Wohnhäuser über mehrere Stunden hinweg notwendig.
Einem 67-jähriger Münchner wurde eine selbstgebastelte Rohrbombe zum Verhängnis, als diese bei der Anbringung an einem Ford Transit unabsichtlich explodierte. Der Täter hatte beabsichtigt, einen 66jährigen Mann mit einer Rohrbombe unter dem Fahrzeug, sowie weiterer Sprengfallen zu töten. Das Motiv des Münchners lag im persönlichen Lebensumfeld.(neumarktonline berichtete)

Bedrohung mit Schussabgabe in der Hauptschule Rötz
Einen Verweis aus dem Klassenzimmer nahm am Montag, 7.März 2005, um 8.20 Uhr ein 14jähriger Schüler zum Anlass, einen 35jährigen Klassenlehrer mit einer Schusswaffe, die er sich aus dem legalen Besitz des Vater besorgt hatte, zu bedrohen.
Der Geistesgegenwart des Lehrers und des herbeigeeilten Rektors war es zu verdanken, dass der Vorfall ohne Personenschaden zur Ende ging. Beiden gelang es, den 14jährigen zu überwältigen und zu entwaffnen, wobei sich zwar ein Schuss löste, dieser aber glücklicher Weise in den Fußboden schlug.
Wie sich im Rahmen der Ermittlungen herausstellte, rettete der Lehrer durch sein engagiertes Handeln auch das Leben des 14jährigen Schülers, welcher die Absicht hegte, Suizid zu begehen.(neumarktonline berichtete)
Die Aufklärungsquote des Vorjahres von 69,1 Prozent konnte gehalten werden und blieb somit weiterhin deutlich über dem bayerischen Durchschnitt (65,9 Prozent). Von den 108.004 erfassten Straftaten konnten 74.578 geklärt werden.

Diebstahl

Insgesamt 31,4 Prozent, knapp ein Drittel, der Gesamtstraftaten, finden ihre Zuordnung im Diebstahlsbereich. Hier wurden jedoch mit 33.921 Fällen 8,6 Prozent weniger registriert als im Jahr 2004. Bei den einzelnen Deliktsgruppen des Diebstahlsbereichs haben sich keine bedeutsamen Veränderungen ergeben. Beachtlich ist aber, dass im Bereich der Ladendiebstähle ein erneuter Rückgang von 8.344 Fälle auf 7.704 (-7,7 Prozent) zu verzeichnen war.

Gewaltkriminalität

Die Gewaltkriminalität ist mit 3.200 Straftaten im Vergleich zu 2004 wieder angestiegen. Der Deliktsbereich verzeichnete mit 150 Fällen mehr ein Plus von 4,9 Prozent. Die negative Entwicklung ist auf die Zunahme der Raubdelikte, plus 75 Fälle, sowie der gefährlichen und schweren Körperverletzungen, plus 109 Fälle, zurückzuführen. Die Aufklärungsquote im Bereich der Gewaltkriminalität ist mit 85,3 Prozent (Vorjahr 86,2 Prozent). nach wie vor sehr hoch.

Straßenkriminalität

Die Zahl der Delikte der Straßenkriminalität, also derDelikte im "öffentlichen Raum", ist um 6,5 Prozent auf 19640 gesunken und hat damit den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht. Vor allem PKW-Aufbrüche (-14,5 Prozent), Sachbeschädigungen an Kfz (-4,6 Prozent) und Fahrraddiebstähle (-4,2 Prozent) sind zurückgegangen.

Rauschgiftkriminalität

Der kontinuierliche Anstieg bei der Entwicklung der Rauschgiftkriminalität während der letzten Jahre setzte sich auch 2005 fort. Gegenüber dem Vorjahr ist eine Steigerung um 404 Delikte (+5,9 Prozent) zu verzeichnen, so dass 7.210 Fälle für das Jahr 2005 registriert wurden. Nach dem moderaten Anstieg im Jahr 2004 war somit wieder eine deutliche Zunahme der Fallzahlen festzustellen. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der erfassten Fälle nunmehr um 129,6 Prozent angestiegen. Die Zahl der Drogentoten liegt mit 39 Fällen (Vorjahr 35) im Zehn-Jahres-Mittel, damit jedoch immer noch deutlich unter dem Höchstwert von 1998 mit 52 Toten.

Betrugs- und Wirtschaftskriminalität

Die Statistik 2005 weist 1.343 Delikte in der Wirtschaftskriminalität aus, was gegenüber dem Vorjahr (1.548 Fälle) eine Minderung von 13,2 Prozent bedeutet. Dieser Trend zeigte sich auch im Bereich der allgemeinen Betrugsdelikte. Diese verringerten sich von 15.816 Fälle im Jahr 2004 auf 13.945 Fälle, was einer Fallzahlensenkung von 11,8 Prozent entspricht. Die größte Minderung innerhalb des Betrugsbereiches konnte im "sonstigen Sozialleistungsbetrug" (-42,0 Prozent) verzeichnet werden. Die hohe Zahl im Vorjahr war auf die Vielzahl von Ermittlungsverfahren wegen Bafög-Betrügereien zurückzuführen.

Entgegen den allgemein rückläufigen Fallzahlen im Betrugsbereich wurde im Fallbereich des Waren- und Warenkreditbetruges (also keine Lieferung der Ware bzw. in minderer Qualität / Erlangung der Ware ohne Gegenleistung) ein Anstieg um 8,8 Prozent registriert.

Eine außergewöhnliche Zunahme war im Bereich der Insolvenzstraftaten festzustellen. Im Jahr 2005 wurden 129 Fälle bearbeitet, was einer Zunahme von 55,4 Prozent entspricht.

Kinder- und Jugendkriminalität

Von insgesamt ermittelten 54.386 Tatverdächtigen im Jahr 2005 waren 1.926 (3,5 Prozent) Kinder, 5.578 (10,3 Prozent) Jugendliche und 5.798 (10,7 Prozent) Heranwachsende. Der Anteil der unter 21jährigen Tatverdächtigen beläuft sich somit auf 24,5 Prozent (Vorjahr 24,9 Prozent). Bei allen drei Altersgruppen war eine rückläufige Tendenz der Tatverdächtigenzahlen festzustellen.

Bei den Kindern wurden 305 Tatverdächtige weniger (-13,7 Prozent) - kontinuierlich rückläufig seit 2002 - registriert. Bei den Jugendlichen senkte sich die Tatverdächtigenzahl um 486 (-8,0 Prozent) und bei den Heranwachsenden um 562 (-8,8 Prozent). Die rückläufigen Fallzahlen bei den Unter-21-Jährigen bestätigten die intensiv geführte Präventionsarbeit der Polizei, sind aber zugleich Ansporn für eine weiterhin offensive polizeiliche Arbeit auf diesem Sektor, hieß es.

Politisch motivierte Straftaten

Sowohl im rechts- wie auch im linksextremistischen Spektrum ist eine Steigerung festzustellen.

Im rechtsextremistischen Deliktsbereich lag die Zahl der Straftaten im Jahr 2005 mit 331 Fällen deutlich über der des Vorjahres (270 / +22,6 Prozent). Zwei Drittel der registrierten Straftaten (223) sind sogenannte Propagandadelikten (z.B. Verwenden des Hitlergrußes, Hakenkreuze oder die Verbreitung von Propagandamitteln). Ursache für die steigenden Zahlen sind Straftaten im Umfeld verstärkter Aktivitäten der NPD, Aktionen von sogenannten "Kameradschaften" und Delikte bei Skin-Konzerten.

Zu diesem Deliktsbereich wies die polizei auf die durch Innenminister Dr. Günther Beckstein im Februar vorgestellte Aufklärungskampagne "Wölfe im Schafspelz" hin, eine bundesweite Aktion gegen Rechtsextremismus. Ziel der Kampagne ist es, unter Einbindung der Schulen junge Menschen im Alter von 13 bis 16 Jahren über die neuen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus aufzuklären, folglich den Grundstein für ein frühzeitiges Erkennen der Vorgehensweisen und Gefahren des Rechtsextremismus zu legen und basierend darauf für die 13 bis 16jährigen die Möglichkeit des eigenständigen Handelns gegen "Rechts" zu schaffen.

Eine Zunahme ist ebenfalls bei den Straftaten aus dem linksextremistischen Spektrum mit 75 Delikten im Jahr 2005 zu verzeichnen (+43 / +134,4 Prozent). Schuld sind hier vermehrte Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit den Aktivitäten rechtsextremistischer Gruppierungen.
07.03.06
Neumarkt: Mehr Körperverletzungen !
Telefon Redaktion


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