Stadträte schlagen zurück


"Seit zehn Jahren Abwärme in die Luft geblasen" ?
Foto:Pfleiderer AG
NEUMARKT. Die Stadträte von UPW, SPD, Grünen und der FDP sprechen sich klar für den Bau eines Biomassheizkraftwerkes aus und schrieben einen "Offenen Brief" an Pfleiderer.

Dem Neumarkter Konzern wird angesichts seines Vorschlages, Pfleiderer-Abwärme zur Heizung von Neumarkter Wohnungen zu verwenden, vorgeworfen: "Warum blasen Sie seit über 10 Jahren die Abwärme ungenutzt in die Luft?"

Nicht beteiligt an dem Offene Brief haben sich Stadträte von CSU und FLitZ.

Bei der interfraktionellen Sitzung von UPW, SPD, Grünen und FDP sei am Donnerstag ein einstimmiger Beschluss zur Befürwortung des Biomasseheizkraftwerkes auf dem Alternativstandort gefasst worden, hieß es. Mit dem von den Fraktionsvorsitzenden unterzeichneten Brief wird Oberbürgermeister Thomas Thumann demonstrativ der Rücken gestärkt, der erst am Mittwoch eine für Samstag geplante Sondersitzung des Stadtrates abgesagt hat (wir berichteten).

Zuvor hatte Pfleiderer in einem Offenen Brief die Stadtspitze heftig angegriffen (wir berichteten).

Der Pfleiderer-Betriebsrat rief am Donnerstag trotz der Absage der Sondersitzung die Mitarbeiter des Unternehmens zu einer Demonstration am Samstag vor dem Rathaus auf. (wir berichteten)

Der Brief der Stadträte im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Hans H. Overdiek,
sehr geehrte Vorstandsmitglieder,

die Stadträte der UPW, SPD, GRÜNE und FDP sehen sich aufgrund der Ereignisse der letzten Tage veranlasst, Ihnen in einem "Offenen Brief" unsere Ansichten und Meinungen zum geplanten Biomasseheizkraftwerk mitzuteilen.
Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass Sie in der Verantwortung der Sicherung der Arbeitsplätze Ihrer 800 Mitarbeiter stehen. Darin werden wir Sie auch weiterhin unterstützen!

Wir als Stadträte stehen jedoch ebenso in der Verantwortung unserer Bürgerinnen und Bürger der Stadt und somit auch für zukunftssichere umweltgerechte Lösungen für 40.000 Einwohner. Dazu zählt das Biomasseheizkraftwerk.

Nun hören wir, aus Ihrem Werk wäre ein Fernwärmebezug mit einer Investition von ca. 2 Mio. Euro sofort möglich. Dazu gestatten Sie uns schon die Frage:
Warum blasen Sie seit über 10 Jahren die Abwärme ungenutzt in die Luft?
Warum haben Sie das der Stadt nicht schon vor 10 Jahren seit der Inbetriebnahme Ihres neuen Werkes konkret angeboten?
Warum liegt der Stadt nicht schon lange ein konkretes Angebot Ihrerseits mit verlässlichen Zahlen vor?
Wieso warten Sie damit bis 3 Tage vor der Stadtratsitzung zum BMHKW?
Warum sind Sie spätestens seit 2006, als das Thema BMHKW konkret Thema im Stadtrat wurde, nicht aktiv geworden?

Wir Stadträte verwehren uns auf das Schärfste gegen den Vorwurf, der Holzbezug des BMHKW würde Arbeitsplätze der Fa. Pfleiderer gefährden! Von dem gesamten Lieferumfang von ca. 33.000 to atro-Holz (absolut trockenes Holz) mit ca. 5.200 to Industrieholzanteil für das BMHK stehen Ihrerseits ca. 600.000 to Industrieholzbezug der Fa. Pfleiderer gegenüber! Bei dem Holzbezug des BMHKW sind unter anderem große Mengen aus den TÜP Hohenfels bzw. Grafenwöhr vorgesehen, die wegen evtl. Granatsplitteranteile für Sie überhaupt nicht als Bezugsquelle weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft in Frage kommen. Alle Bedarfsmengen der NAWARO (nachwachsende Rohstoffe) Biomasse aus Holzabfällen, sowohl aus den TÜP Hohenfels und Grafenwöhr, als auch aus der Region durch Bezug von den regionalen Waldbauernverbänden waren und sind kein Rohstoff für Sie zur Spanplattenproduktion!
Wo liegt da die Gefährdung Ihres Holzpreises, der für uns gar nicht relevant ist, weil wir nicht als Konkurrent am Markt sind! Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen!

Wie uns mitgeteilt wurde, beziehen Sie jährlich zur Spanplattenproduktion die ca. 600.000 to Industrieholz größtenteils aus Kanada und Osteuropa! Was soll dann diese ganze Diskussion?

Zu der ganzen unsinnigen und angstschürenden Diskussion Ihrerseits können wir nur an Sie appellieren: Hören Sie auf, Ängste und Unwahrheiten in der Bevölkerung gegen das BMHKW zu verbreiten!

Legen Sie unverzüglich ein verbindliches Angebot eines technisch machbaren und wirtschaftlichen Fernwärmebezug aus Ihrem Werk der Stadt Neumarkt vor! Sie sind sich hoffentlich im klaren, dass Sie bei einer weiteren Verzögerung des Verfahrens und damit der Inbetriebnahme des BMHKW die EU-Förderung höchst gefährden und damit der Stadt Neumarkt einen hohen Schaden zufügen werden!

Wir Stadträte sind grundsätzlich bereit mit der Fa. Pfleiderer ein kooperatives Konzept zu erarbeiten, mit dem Ziel, dass beide Kraftwerke, sowohl Pfleiderer im Süden, als auch das BMHKW im Norden der Stadt, sinnvoll mit Produktion von Fernwärme und Strom zum Wohle der Neumarkter Bürgerinnen und Bürger verwirklicht werden.


Aktualisierung: Die Firma Pfleiderer antwortete am gleichen Tag mit einem erneuten "Offenen Brief"
16.04.10
Neumarkt: Stadträte schlagen zurück
Telefon Redaktion


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