neumarktonline Dokumentation

Verleihung der Goldenen Stadtmedaille

an Herrn Dr. Franz Ehrnsperger


Dr. Franz Ehrnsperger (2.v.r) ist Träger der Goldenen Stadtmedaille. OB Thomas Thumann gratuliert zusammen mit den Bürgermeistern Arnold Graf (links) und Erich Bärtl (rechts)

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates,
sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger!

In der Weihnachtssitzung des Stadtrates ehren wir jedes Jahr in feierlicher Form Persönlichkeiten, die sich um unsere Stadt besonders verdient gemacht haben.

Dazu heißt es in der Satzung über die Verleihung der Stadtmedaille, dass die zu ehrende Persönlichkeit diese Verdienste auf den verschiedensten Gebieten erlangt haben kann, etwa im Bereich der Politik, der Kultur, der Wirtschaft, des geistigen- oder sozialen Lebens.

Mit der Verleihung der Goldenen Stadtmedaille an sie, sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger, rücken wir eine Person in den Mittelpunkt, die

Nehmen wir nur einmal den Bereich der Wirtschaft.


Dr. Ehrnsperger beim Eintrag ins "Goldene Buch"
Dort haben sie nach Abitur und Studium mit den Abschlüssen Dipl.-Braumeister und Dipl.-Kaufmann sowie der Promotion zum Doktor rer. pol. im wahrsten Sinne des Wortes begonnen, Pionierarbeit zu leisten.

Denn seit sie 1971 als Geschäftsführender Gesellschafter bei der Neumarkter Lammsbrauerei in sechster Generation die Brautradition übernommen haben, sind sie zu einem Vorreiter für Öko-Bier geworden.

Sie haben mit langem Atem und bewundernswertem Einsatz den Neumarkter Lammsbräu zu einer Marke entwickelt, die weit über die Region hinaus bekannt und beliebt ist.

Dabei waren es viele Schritte bis zu der aktuellen Aussage, dass man ihr Unternehmen als "in allen Teilbereichen vorbildlich innovativ" bezeichnen kann, wie dies die frühere Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Renate Künast anlässlich einer Preisverleihung 2003 getan hat.

Schon 1980 fiel in ihrer Brauerei die Entscheidung, die Unternehmensführung umweltorientiert zu gestalten und ökologisch gebrautes Bier herzustellen.

Und was in den nächsten Jahren folgte, war schon eine unternehmerische Meisterleistung.

Allen voran war es vor allem eine mutige unternehmerische Entscheidung.

Denn man stelle sich vor, dass vor rund 25 Jahren jemand in Bayern auf Idee kommt, Bier auf ökologische Weise brauen zu wollen.

Ein solches Vorhaben rangierte gleich hinter der zur Legende gewordenen Bierpreiserhöhung Anfang des 19. Jahrhunderts in Bayern, die schließlich zu einer Bierrevolution und nachfolgend zur Rücknahme der Erhöhung geführt hat.

Die Vorurteile und die breite Ablehnung, die man ihnen damals entgegen brachte, als sie ein Ökobier auf den Markt bringen wollten, kann man sich heute nur noch annähernd ausmalen, die Schwierigkeiten wohl gar nicht ermessen.

Und doch hinderte sie dies alles nicht, im Gegenteil:
Umso eifriger haben sie für ihre Idee und ihre Philosophie gekämpft.

Und ich habe einen Satz aus den frühen 90er Jahren von Ihnen gefunden, der diese Konsequenz anschaulich umschreibt.

Da haben sie erklärt, dass das Bierbrauen auf ökologische Weise "lediglich eine konsequente Umsetzung des Reinheitsgebotes" sei.

Im Jahr 1995 war diese Ansicht bis ins Letzte umgesetzt und alle Biersorten bei der Neumarkter Lammsbräu waren auf Öko-Bier umgestellt.

Ökologisch denken und handeln bedeutete für sie jedoch nicht, bloß bei der Herstellung Umweltbewusstsein zu zeigen und die Forderung der Nachhaltigkeit anzuwenden.

Sie haben auch sonst ihr ganzes unternehmerisches Handeln darauf ausgerichtet und so gab es bei ihnen Geradezu revolutionär mutet es an, dass sie das Reinheitsgebot auch auf ihre Lieferanten ausgedehnt haben, getreu dem Spruch, der meines Wissens von ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger, stammt:
"Das Reinheitsgebot für Bier beginnt auf dem Acker"

Gerade damit sind sie ein Verfechter der Maxime: "Aus der Region für die Region geworden", einer Maxime, die äußerst sympathisch und logisch klingt.

Denn nur, wenn in der Region produziert wird und wenn die Rohstoffe aus der Region kommen, dann profitiert vor allem die Region davon.

Dies bedeutet Arbeits- und Ausbildungsplätze in unserer Region, und dies heißt auch, dass die Kaufkraft ebenfalls in unserer Region bleibt.

Dies ist es, was man Ganzheitliches Denken und Handeln nennt.

Den Erfolg ihres Unternehmens haben sie somit nicht losgelöst von der Heimat gesehen und sowohl Produzenten als auch Konsumenten dabei mit einbezogen.

Diese Ausrichtung zur konsequenten Ökobrauerei hat dafür gesorgt, dass sie mit der Neumarkter Lammsbräu unangefochten die Marktführerschaft für ökologisch gebrautes Bier in Deutschland innehaben.

Ihnen ist dabei etwas gelungen, was viele für unmöglich gehalten haben:
Dass Ökologie und Wirtschaft sich nicht ausschließen, sondern sich ökologisches und unternehmerisches Handeln vereinbaren und sogar äußerst erfolgreich verknüpfen lassen.

Dafür wurden sie, sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger mit vielen Auszeichnungen gewürdigt. - und sie erhielten z.B. 2001 wurde ihnen vom damaligen Bundespräsidenten Rau gleich zwei Mal eine hohe Auszeichnung verliehen: Es folgten weitere Preise und Auszeichnungen wie etwa Ich habe hier wahrlich nicht alle Auszeichnungen aufgelistet - alleine mir sind 24 solcher großer Auszeichnungen bekannt - .

Jede für sich, und in ihrer Summe umso deutlicher unterstreichen sie, dass sie, sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger eine Persönlichkeit sind, die in den Bereichen Wirtschaft und Umwelt Herausragendes für die Stadt und die Region geleistet hat.
Doch damit nicht genug:
Sie sind auch ein Unternehmer, der darüber hinaus in vielfältiger Weise gesellschaftliche Verantwortung übernommen hat.

Dazu gehörten und gehören für sie nicht nur eine kooperative Mitarbeiterführung und das Umsetzten von ethischen Grundsätzen im Betrieb und in der Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten.

Dazu gehört auch ihr Engagement als Vorsitzender des IHK-Gremiums Neumarkt von 1998 bis 2005, wo sie viele Akzente gesetzt und die Entwicklung sieben Jahre lang maßgeblich mit geprägt haben.

Dass sie seither das Amt des Vize-Präsidenten der IHK-Regensburg ausüben, belegt zudem eindrucksvoll, dass man ihre Kompetenz und ihr Engagement auf allen Ebenen des Wirtschaftslebens zu schätzen weiß.

Es belegt aber vor allem, Hier und auch in vielen anderen Feldern haben sie sich daher über Jahrzehnte vorbildlich für die Interessen der Menschen in unserer Stadt und im Landkreis eingesetzt.

Sie haben andere unterstützt und sie waren da, wenn man auf ihren Rat und ihre Tat gehofft hat.

So wie beim Förderverein des Ostendorfer Gymnasiums, den sie nicht nur mit gegründet haben, sondern wo sie als Gründungsvorsitzender auch die Verantwortung übernommen haben und noch immer übernehmen.
Denn sie üben dieses Amt des Vorsitzenden noch bis heute aus und haben so die Geschicke dieses für das Gymnasium wichtigen Vereins sehr positiv geprägt.

Gleiche gilt für die Gründung des Vereins Pro Neumarkt, wo sie federführend mit beteiligt waren und mehrere Jahre lang das Amt des Vorsitzenden ausgeübt haben.

Gerade mit ihrem Engagement bei Pro Neumarkt sind sie zu einem Wegbereiter des Agendaprozesses in Neumarkt geworden.
Durch das Vorbild ihrer Brauerei und mit ihrem ehrenamtlichen Engagement haben sie maßgeblich dazu beigetragen, dass in Neumarkt Nachhaltigkeit und die Gedanken der Konferenz von Rio eine breite Plattform erhalten haben.

Nicht zuletzt haben sie so wichtige Fundamente dafür geschaffen, dass wir vor wenigen Tagen für eben diesen Agendaprozess und die Umsetzung des Stadtleitbildes den UNESCO-Preis "Stadt der Weltdekade erhalten haben.

Auch sonst haben sie mit ihrer eher stillen und unaufdringlichen Art, dafür aber in umso vielfältiger und großzügiger Weise soziale oder kultureller Projekte in Stadt und Region gefördert.

Die von ihnen ins Leben gerufene Öko-Rente zum Beispiel ist ein aussagekräftiges Beispiel für eine ausgeprägte soziale Einstellung, die belegt, dass sie das Schlagwort von der Verantwortung für diese und die künftigen Generationen ernst nehmen und dies auch tatkräftig untermauern.

Denn 2001 hatten sie nicht nur den Deutschen Umweltpreis erhalten, nein, sie haben das damals erhaltene Preisgeld in eine neue Flaschenkellerei investiert und die dabei geschaffenen Einsparungen dazu benutzt, die Öko-Rente ins Leben zu rufen, die seit 2002 nun jährlich verliehen wird.

Sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger.
Sie haben sich auf vielerlei Weise und auf vielen Ebenen unseres gemeinschaftlichen Lebens größte Verdienste um die Stadt Neumarkt erworben. Sie gehören national und international zu den Pionieren eines nachhaltigen ökologischen Wirtschaftens, denn ihnen ist es in vorbildlicher Weise gelungen, mit einem nachhaltigen und auf die regionalen Besonderheiten abgestellten Unternehmenskonzept die richtige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen wie Umweltzerstörung, Globalisierung und Konzernbildung gefunden zu haben.

Sie haben Mut zur Nachhaltigkeit bewiesen, Konsequenz in der Umsetzung und damit großen unternehmerischen Erfolg erzielt.

Sie haben dadurch nicht nur den Begriff Neumarkter Lammsbräu, sondern auch den Namen unserer Stadt weit über die Region hinaus getragen und sind so zu einem guten Botschafter für den Umweltgedanken und für die Stadt Neumarkt geworden.

Sie haben darüber hinaus ein herausragendes und vorbildliches gesellschaftliches Engagement gezeigt und bewiesen, dass Nachhaltigkeit bei ihnen nicht an den Unternehmenstoren endet.

Denn sie haben sich in vielfältigen Funktionen und Bereichen für die Mitmenschen in unserer Stadt und in unserer Region engagiert.

Sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger.
Sie gehören damit zu den bemerkenswerten Persönlichkeiten unserer Stadt, die weit mehr als ihre Pflicht tun, die sich mit einem oft grenzenlos scheinenden Elan und großer Hingabe auf vielen Feldern unseres gemeinschaftlichen Lebens engagieren und viel Gutes für das Wohl anderer, viel Positives für die Allgemeinheit schaffen.

Aus diesem Grund hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 30. November 2006 einstimmig beschlossen, sie, sehr geehrter Herr Dr. Ehrnsperger, mit der

Goldenen Stadtmedaille
auszuzeichnen.

Ich gratuliere ihnen persönlich und im Namen des Stadtrates ganz herzlich zur Goldenen Stadtmedaille und darf ihnen nun die hohe Auszeichnung überreichen.

Thomas Thumann
Oberbürgermeister
21.12.2006

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16. Jahrgang