neumarktonline Dokumentation

Verleihung der Silbernen Stadtmedaille an
Ursula Nießen

Von Oberbürgermeister Thomas Thumann

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Löhner,
sehr geehrte Frau 2. Bürgermeisterin Heßlinger,
sehr geehrte Frau Nießen,
sehr geehrter Herr Dr. Nießen,
sehr geehrte Familienangehörige,
sehr geehrte Vertreter des Hospizvereins Neumarkt,
meine sehr geehrten Damen und Herren des Stadtrates,
sehr geehrte Gäste!

Bei dieser festlichen Stadtratssitzung stellen wir mit den Ehrungen jedes Jahr verdienstvolle Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die sich unsere Anerkennung in den unterschiedlichsten Bereichen erworben haben.

Mit Frau Ursula Nießen würdigen wir heute eine Mitbürgerin, die sich schon seit vielen Jahren dem Hospizverein und dessen wertvoller Arbeit verschrieben hat. Ihr Engagement und großes soziales Gespür kamen schon früh zum Tragen, wie schon ihr Studium der Sozialarbeit und die danach erfolgten Berufserfahrungen im Sozialdienst in Köln oder bei der Essener Telefonseelsorge gezeigt haben. Auch in Neumarkt als Mitglied im Elternbeirat der Grundschule Woffenbach und in dem des Ostendorfer Gymnasiums wurde deutlich, dass Frau Nießen Verantwortung übernehmen und Positives gestalten will und kann.

Den Weg zu ihrer heutigen Berufung – und davon kann man bei Ursula Nießen wirklich sprechen – diesen Zugang fand sie jedoch über einen Todesfall in der eigenen Familie, der ihr deutlich gemacht hatte, dass es bisher wenig professionelle Hilfe und Unterstützung bei diesem so einschneidenden Lebensereignis gibt. 1998 wurde Frau Nießen daher Mitglied im noch jungen Hospizverein Neumarkt und ließ sich zur Hospizhelferin ausbilden.

Schon drei Jahre später folgte die Ausbildung zur Trauerbegleiterin und 2002 schließlich übernahm Ursula Nießen den Vorsitz des Hospizvereins. Damals hatte der Verein 150 Mitglieder, von denen 34 aktiv waren und rund 1.000 Einsatzstunden im Jahr leisteten.

Heute, nach fast 15 Jahren als Vorsitzende des Hospizvereins, weist der Verein 250 Mitglieder auf, von denen 64 aktiv sind und über 5.000 ehrenamtliche Einsatzstunden im Jahr leisten.

Was der Hospizverein für die Betroffenen darstellt, hat Frau Nießen in einem Interview im Jahr 2014 so umschrieben:

„Wir sind wie ein Geländer, das die Angehörigen nach dem Tod eines nahestehenden Menschen führt und leitet. Diesen Personen, die unter dem Verlust leiden, wollen wir wieder Mut machen und eine Perspektive aufzeigen.“

Der Umfang der Angebote und die ständig steigende Mitarbeiterzahl haben es mit sich gebracht, dass der Hospizverein bereits zwei Mal umziehen musste: Nach dem Start in Räumen in der Pointgasse wechselte er 2006 in die Saarlandstraße, und sieben Jahre später, als das Platzangebot erneut nicht mehr ausreichend war, folgte der Umzug in die Dr.-Eberle-Straße.

Auch dies ein Ausdruck für das erfolgreiche Wirken von Ursula Nießen, die den Hospizverein seit der Übernahme des Vorsitzes im Jahr 2002 entscheidend mitgeprägt und mitgestaltet hat.

Sie hat darüber hinaus aber auch z.B. die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, um die Hospizidee und die Arbeit des Vereins noch bekannter zu machen, und sie hat durch ihr engagiertes Werben um Spenden dafür gesorgt, dass ausreichend Mittel zur Finanzierung der Aus- und Fortbildung der Aktiven und für die Aktivitäten des Vereins vorhanden sind.

Mit ihr als Vorsitzender hat der Hospizverein aber nicht nur die Mitgliederzahl und die der aktiven Helfer ausgeweitet, in ihre Zeit als Vorsitzende fallen auch zahlreiche wichtige Erweiterungen im Angebot des Vereins. Dazu zählen das so genannte „Trauercafé“, der Aufbau von Trauergruppen für Erwachsene und die Einrichtung von Trauergruppen gerade für Kinder, die wie Ursula Nießen es einmal ausgedrückt hat, anders trauern als Erwachsene.

Ursula Nießen hat aber auch maßgeblichen Anteil daran, dass ein Kriseninterventionsteam entstanden ist und seither sehr erfolgreich wirkt: Nachdem sie selbst 2003 eine Ausbildung in der Krisenintervention absolviert hatte, hat sie zunächst ein kleines Team mit anfangs sechs Mitgliedern aufgebaut. Inzwischen gehören ihm 19 ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.

Man muss sich schon einmal vor Augen führen, dass die Rufbereitschaft des Kriseninterventionsteams 24 Stunden erreichbar ist - und das jeden Tag des Jahres! Dabei leitet Ursula Nießen nicht nur das Kriseninterventionsteam, sondern sie ist selber bisher in fast 200 Fällen unterwegs gewesen, um Menschen in außergewöhnlich belastenden Situationen beizustehen, etwa im Fall von tödlichen Unfällen oder eines Selbstmordes, wenn die Polizei zusammen mit einem Mitglied des Kriseninterventionsteams die Todesnachricht überbringen muss.

Ursula Nießen hat die Situation nach dem Überbringen der Nachricht einmal so umschrieben:
„Das Leben der Angehörigen ist dann nicht mehr dasselbe wie zuvor. Wir helfen ihnen mit dieser Situation umzugehen.“

Es ist auch dem Einsatz von Frau Nießen zu verdanken, dass im Jahr 2009 nach einer Anregung aus dem Neumarkter Gesundheitsamt wieder eine Selbsthilfegruppe für Suizid-Angehörige ins Leben gerufen wurde.

Und sie hat dazu beigetragen, dass es seit 2013 am Heiligen Abend für alleinstehende Trauernde einen Anlaufpunkt gibt, damit sie an diesem besonderen Tag nicht alleine sind.

Die Arbeit des Kriseninterventionsteams, die Trauerbegleitung und die vielen anderen Angebote des Hospizvereins machen deutlich, was dieser Verein leistet und das ist in den Worten von Frau Nießen: „Erste Hilfe für die Seele.“

Sehr geehrte Frau Nießen!
Sie selber tragen mit ihrem persönlichen Einsatz und mit Ihrem weit über das übliche Maß hinausgehenden Engagement maßgeblich dazu bei, dass diese „Erste Hilfe für die Seele“ und damit der Hospizverein aus Stadt und Landkreis Neumarkt nicht mehr wegzudenken sind.

Sie haben im Rahmen Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim Hospizverein viele hundert Gespräche geführt, waren viele Tage und Wochen einsatzbereit am Telefon gesessen und sind zu sehr vielen Einsätzen mit ausgerückt.
Sie haben dabei nie die Mitglieder des Hospizvereins aus den Augen verloren und immer dafür gesorgt,
dass diese die entsprechende Ausbildung erhalten,
dass sie sich weiterentwickeln können,
dass sie über Supervisionen oder den Austausch untereinander mit den schwierigen Situationen umgehen lernen
und sich stets im Verein auch gut aufgehoben fühlen können.

Mit Ihrer einnehmenden Herzlichkeit und ihrem besonderen Kommunikationsvermögen haben Sie darüber hinaus für den Hospizverein auch bei der Politik und den Vertretern der anderen Organisationen und Verbänden geworben und auf diese Weise tatkräftig dazu beigetragen, dass der Hospizverein eine so erfolgreiche Entwicklung genommen hat.

Sehr geehrte Frau Nießen,
für Ihren großartigen persönlichen Einsatz beim Hospizverein und Ihr ehrenamtliches Wirken zur erfolgreichen Entwicklung dieses Vereins hat der Stadtrat der Stadt Neumarkt beschlossen, Ihnen
die Silberne Stadtmedaille
zu verleihen.

Im Namen meiner Stadtratskollegen, vor allem aber persönlich gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zu dieser Auszeichnung.

Ich darf Sie nun nach vorne bitten und Ihnen die Silberne Stadtmedaille überreichen und ich verbinde damit unseren herzlichen Dank damit.

Es handelt sich hier um das zur Verfügung gestellte Rede-Manuskript. Die tatsächlich gehaltene Rede kann davon geringfügig abweichen
15.Dezember 2016

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ISSN 1614-2853
16. Jahrgang